
Das Haus ist verkauft. Ich laufe durch die leeren Räume und spüre... nicht viel. Es hat keine Signifikanz für mich. Zuhause ist anderswo: in meiner Erinnerung, in meinen Texten, auf den dunkelroten Kissen meines Bettes, im Nachmittagstee, den meine Mutter aufgießt.
Weihnachten 2008 habe ich hauptsächlich Bauschutt geräumt, mit dem mein Vater vor Jahren oder Jahrzehnten den Schuppen abgedichtet hatte. Ich bin jetzt stärker als er. Ich weiß nicht, was passiert ist, mit mir, mit uns, aber es war wirklich schön, dieses schräge Weihnachten. Es hilft, das ich über vieles hinwegblicken kann, weil ich - und das ist das wirklich überraschende - verwurzelter in mir selbst bin, souveräner.
Schade, daß meine Schwester, die auf die vierzig zugeht, innerlich ein Teenager zu sein scheint. Sie terrorisiert meine Eltern mit einem Brief voller Anschuldigungen nach fast einem Jahr trotzigem Schweigens.
Dabei ist die Zeit so knapp, die man noch gemeinsam hat: vielleicht noch zehn Jahre, eher keine zwanzig.
Als ich wegfahre, winken mir die beiden nach, und werden im Rückspiegel immer kleiner.
fragmente - am 2009-01-24 15:21 - Rubrik: Weihnachten!
nullneun meinte am 25. Jan, 13:58:
Die alten Rechnungen bleiben, am besten man steht drüber.
croco meinte am 25. Jan, 22:23:
Wenn man als Zwanzigjährige seinen Eltern die Schuld an allem Übel gibt, hat man vielleicht Recht. Aber als Vierzigjährige hatte man genug Zeit sich zu verändern. Dann sind diese Vorwürfe einfach überflüssig.Selbst Schuld, mag man da sagen.
Es freut mich, dass Sie so viel weiter sind.
Blinkyman meinte am 26. Jan, 23:39:
Ihr letzer Satz
Ob das Schlusslicht des ausfahrenden Zuges oder die kleiner werdenden Personen im Rückspiegel, Abschiede haben immer etwas Trauriges, etwas Verlierendes, manchmal Endgültiges.Ach ja, gelegentlich auch Befreiendes.
KleinesF meinte am 29. Jan, 11:17:
Es wird Zeit für einen schönen Sammelband zum Thema "Gefühle in leeren Räumen". Dieser Text gehört ganz an den Anfang.
