Ich sitze in meinem Auto, der Motor ist aus. Ich schaue der Ampel zu, wie sie die Farben wechselt, zu müde zum Aussteigen. Rot, gelb, grün. Gelb, rot.
Ich komme von einer Weihnachtsfeier. Weihnachtsfeiern sind grausam, aber mit den Jahren habe ich den Trick herausgefunden: emotionale Distanz, Unvoreingenommenheit und das Fehlen jeglicher Erwartungshaltung. Im letzten Monat habe ich so viel gearbeitet, daß es manchmal nur für vier Stunden Schlaf gereicht hat; ich habe für dieses Jahr noch 25 Urlaubstage und damit also gar keine Zeit gehabt, mir irgendwie Gedanken zu machen. Ich ging hin, und es war nett, es gab sogar einen schönen jungen Mann, der bei irgendeinem Partyspiel sehr lange und äußerst graziös um einen Tisch laufen mußte.
Für mich gibts keine schönen jungen Männer. Merkwürdig, daß meine Gedanken immer wieder darauf hinauslaufen, nicht? Immer wünsche ich, ein Mann würde mich bestätigen in meinem Frausein - wann werde ich's lernen, daß es so nicht geht. Die Ampel schaltet: rot, gelb, grün, und es wird langsam kalt.
Heute war ein großer Tag. Still gehen sie vorbei, die großen Tage, und das grämt mich ein wenig. Wann wäre ein besserer Anlaß gewesen, mich zu feiern und zu beglückwünschen, ganz ohne Aufforderung? Ausgerechnet eine gute Freundin war heute still und beinahe schroff, hatte keinen Blick für mich bei Glühwein und Lebkuchen. Den Jubel der anderen, den wünsche ich mir aus Stolz und Eitelkeit, es bedeutet nichts. Bei ihr ist es anders. Ich spüre, daß ich in kleinen, aber meßbaren Schritten eine Grenze überschreite, einen neuen Lebensabschnitt beginne. Ich taste nach ihren Händen, aber sie sind nicht da, und ich frage mich, ob mich die Veränderung diese Freundschaft kosten wird. Und wieviel wohl noch.
Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, während die Ampel schaltet: rot, gelb, grün. Ich bin zu müde, um auszusteigen. Manchmal tut sich ein Loch auf in mir, schwarz und an den Rändern gezackt, und ich fühle mich von allen verlassen. Sogar meiner Mutter grolle ich, weil sie mal wieder voll verpaßt hat, auf ihre Tochter stolz zu sein. Sie kann das einfach nicht. Backen kann sie auch nicht, sie ist einfach nicht diese Art von Mutter.
Es wird langsam kalt. Mein Atem macht kleine, weiße Wölkchen, und die Nacht ist getaucht in grün, gelb, rot. Ich habe einen Cheerleader. In der Stunde meiner Not war sie da, einfach so, unkompliziert, unprätentiös. Sie hat nicht gefragt, ob sie kommen soll, sondern wann ich sie abholen komme. Sie hat mich angefeuert und mir Mut gemacht und als ich beinahe nicht loslassen konnte, stand sie hinter mir und sagte: "diesen Satz noch. Dann ist Schluß." Sie hat Seiten gezählt und den Überblick und die Nerven behalten und mir beigestanden. Ich zähle die Tätigkeiten auf und kann doch nicht beschreiben, was sie für mich getan hat. Im Niemandsland, an der Grenze zwischen zwei Lebensabschnitten, war ich nicht allein.
Ich nehme meine Tasche, steige aus und lasse die Nacht hinter mir.
Ich komme von einer Weihnachtsfeier. Weihnachtsfeiern sind grausam, aber mit den Jahren habe ich den Trick herausgefunden: emotionale Distanz, Unvoreingenommenheit und das Fehlen jeglicher Erwartungshaltung. Im letzten Monat habe ich so viel gearbeitet, daß es manchmal nur für vier Stunden Schlaf gereicht hat; ich habe für dieses Jahr noch 25 Urlaubstage und damit also gar keine Zeit gehabt, mir irgendwie Gedanken zu machen. Ich ging hin, und es war nett, es gab sogar einen schönen jungen Mann, der bei irgendeinem Partyspiel sehr lange und äußerst graziös um einen Tisch laufen mußte.
Für mich gibts keine schönen jungen Männer. Merkwürdig, daß meine Gedanken immer wieder darauf hinauslaufen, nicht? Immer wünsche ich, ein Mann würde mich bestätigen in meinem Frausein - wann werde ich's lernen, daß es so nicht geht. Die Ampel schaltet: rot, gelb, grün, und es wird langsam kalt.
Heute war ein großer Tag. Still gehen sie vorbei, die großen Tage, und das grämt mich ein wenig. Wann wäre ein besserer Anlaß gewesen, mich zu feiern und zu beglückwünschen, ganz ohne Aufforderung? Ausgerechnet eine gute Freundin war heute still und beinahe schroff, hatte keinen Blick für mich bei Glühwein und Lebkuchen. Den Jubel der anderen, den wünsche ich mir aus Stolz und Eitelkeit, es bedeutet nichts. Bei ihr ist es anders. Ich spüre, daß ich in kleinen, aber meßbaren Schritten eine Grenze überschreite, einen neuen Lebensabschnitt beginne. Ich taste nach ihren Händen, aber sie sind nicht da, und ich frage mich, ob mich die Veränderung diese Freundschaft kosten wird. Und wieviel wohl noch.
Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, während die Ampel schaltet: rot, gelb, grün. Ich bin zu müde, um auszusteigen. Manchmal tut sich ein Loch auf in mir, schwarz und an den Rändern gezackt, und ich fühle mich von allen verlassen. Sogar meiner Mutter grolle ich, weil sie mal wieder voll verpaßt hat, auf ihre Tochter stolz zu sein. Sie kann das einfach nicht. Backen kann sie auch nicht, sie ist einfach nicht diese Art von Mutter.
Es wird langsam kalt. Mein Atem macht kleine, weiße Wölkchen, und die Nacht ist getaucht in grün, gelb, rot. Ich habe einen Cheerleader. In der Stunde meiner Not war sie da, einfach so, unkompliziert, unprätentiös. Sie hat nicht gefragt, ob sie kommen soll, sondern wann ich sie abholen komme. Sie hat mich angefeuert und mir Mut gemacht und als ich beinahe nicht loslassen konnte, stand sie hinter mir und sagte: "diesen Satz noch. Dann ist Schluß." Sie hat Seiten gezählt und den Überblick und die Nerven behalten und mir beigestanden. Ich zähle die Tätigkeiten auf und kann doch nicht beschreiben, was sie für mich getan hat. Im Niemandsland, an der Grenze zwischen zwei Lebensabschnitten, war ich nicht allein.
Ich nehme meine Tasche, steige aus und lasse die Nacht hinter mir.
fragmente - am 2008-12-15 22:52
Nachtdenker meinte am 16. Dez, 00:48:
Schöner Text!
Das Ampel-Element verstärkt den Moment des Innehaltens. Und die weissen Wölkchen: Wirklich gelungen! Es ist Ihre Redlichkeit, die Sie auszeichnet. Nachtgrüsse vom Nachtdenker
kittykoma meinte am 16. Dez, 10:17:
Ich glaube ich weiß, was das für ein Tag war. Meine allerherzlichsten Glückwünsche!Es gibt Freunde, die begleiten einen nur durch bestimmte Lebensabschnitte. Wenn man sich selbst ändert, ändert sich auch diese Freundschaft. Das ist nicht zu bewerten, das ist so. Ich habe zum Beispiel seit langem eine Freundin, die in meinem Denken als die Frau mit den Problemen abgespeichert ist. Immer wenn es ihr gut geht, und sie erfolgreich ist, kann ich mit ihr nichts anfangen. Ich will, dass sie mich braucht. Umgekehrt habe ich eine Freundin, die mit mir nur etwas anfangen kann wenn ich Single bin oder Probleme mit Männern habe, die versucht dann, mich zu verkuppeln. Habe ich einen Partner, bin ich glücklich, wird der Kontakt schwierig.
Das ist halt so.
Aber noch mal eine ganz ganz herzliche Umarmung. Dafür, dass sie die anstrengende Zeit durchgehalten haben, für die Energie und die Beharrlichkeit. Die schönen jungen Männer gibt es vielleicht schon. Vielleicht sitzen sie nur nicht auf einem weißen Pferd. Vielleicht sehen sie ein bisschen goofy-like aus und sind linkisch und werden allzu schnell übersehen. Nicht nur Prinzessinnen können hässliche Entlein sein, Prinzen sind es manchmal auch, man muss ihn nur zeigen wohin sie gehören.
flying turtle meinte am 16. Dez, 10:48:
Da helfen am Morgen nur ein dicker, weiter Pulli - Sie wissen schon, so einer für über die Knie, Wollsocken und ein Riesenpott Kaffee in der hoffentlich warmen heimeligen Wohnung und tiefes Durchatmen.
kid37 meinte am 16. Dez, 12:20:
Echt? Seite um Seite zum großen Tag? Herzlichen Glückwunsch.
sammelmappe meinte am 16. Dez, 16:59:
Sie haben das schon toll gemacht. Wie toll können wahrscheinlich nur sie selbst wissen und bewerten, dennoch ist es natürlich, dass man sich nach der Anerkennung der Menschen sehnt, die man liebt. Seltsam, dass man die manchmal für Dinge erhält, die einem selbst gar nicht so aufregend erscheinen.Die Fledermaus ist ein Schatz!
nullneun meinte am 6. Feb, 10:44:
Ich mag auch keine Weihnachtsfeiern. Angesichts des Anblickes einiger Kollegen, die eine Art Unterdruck in sich tragen, wenn man die Art interpretieren will, in der sie essen, ist man gar zum Zynismus geneigt.Und die Aufforderung zu spenden verhallt in AC/DC Klängen, die im Verlaufe des Abends zur Auflockerung dargeboten werden.
