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Ich muß mir die Haare schneiden lassen. Ich schiebe das schon eine Weile vor mir her, so wie ich unangenehme Dinge (Kleider kaufen, Schuhe kaufen, Behördengänge) immer aufschiebe, verschiebe, verdränge, bis ich innerlich einen Druck habe, der sagt, daß es jetzt dringend erledigt werden muß. Ein wenig wie eine chemische Reaktion, die erst Aktivierungsenergie braucht, und dann von selbst läuft.
In der Nacht habe ich vom Haareschneiden geträumt, und als ich aufwachte, mußte ich mir eingestehen, daß ich Angst davor habe. Dabei geht es nur darum, etwa zwei oder drei Finger breit abzuschneiden, damit eine gerade Kante entsteht, wo jetzt Gefranse ist.
Der Punkt, warum ich das erzähle: manchmal merke ich, daß ich wunderlich werde, und dann erschrecke ich mich.
holgi meinte am 12. Feb, 15:02:
bei mir liegt das ja am alter. und bei ihnen? 
fragmente antwortete am 13. Feb, 18:47:
Bei mir liegt es am Alleinleben. Ich stelle auch zunnehmende antisoziale Tendenzen bei mir fest, d.h. wenn ich mehr als zweimal die Woche Zeit mit Leuten verbringen muß, dann werde ich genervt, selbst wenn ich diese Leute sehr gerne mag. Und U-/S-Bahn-Fahren geht gar nicht. 
skyfall antwortete am 13. Feb, 19:48:
Also diese Tendenzen sind wirklich alterunabhaengig. Irgendwann lernt man mit den Nachteilen des Alleinseins zu leben und sieht die Vorteile. Naemlich das man anfangen kann, in sich selbst zu ruhen. Wenn man Bahn faehrt, sieht man sich als Aussenstehender ... beobachtet nur noch. Und das Generve anderer Menschen ... nun ja ... es kommt dann sehr darauf an, wieviele Macken die menschen hat ... je mehr, desto schneller ist man genervt. Ich moechte in solchen Faellen nur noch nach Hause, meine Ruhe haben ... 
fragmente antwortete am 13. Feb, 20:46:
Noch kann ich über meine Wunderlichkeiten schmunzeln. 
skyfall antwortete am 14. Feb, 17:09:
irgendwann kommt der Moment, nach dem einem selbst die eigenen Wunderlichkeiten nicht mehr auffallen und die anderen schmunzeln ... 
L-9 meinte am 13. Feb, 19:45:
Angst vorm Haareschneiden
ist natürlich und nicht wunderlich. Ich habe gerade meinen persönlichen Haareschneideaufschieberekord gebrochen: seit 12 Wochen nicht beim Friseur!! 
fragmente antwortete am 13. Feb, 19:57:
Meine Haare sind etwa taillenlang (schwer zu beurteilen, weil ich keine Taille habe...). Ich gehe einmal im Jahr zum Friseur und lasse mir für 10 Euro ein paar Finger breit möglichst gerade abschneiden.
Gestern habe ich versucht, mich von hinten zu sehen (Hermione: "so sieht meine Frisur von hinten aus???") und bin zu dem Schluß gekommen, daß Haareschneiden eigentlich gar nicht nötig ist.
Ja, ja, die kleinen Lügen... 
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