Ich habe mir die rechte Hand verbrüht. Ich hatte mir Tee gekocht, so wie jeden Vormittag, und die Teekanne und Teetasse von der sogenannten Teeküche zu dem Büro getragen, das ich mir mit einem Kollegen teile. Der Kollege war anderswo und hatte, wie es bei uns üblich ist, das Büro verschlossen. Also balancierte ich die Kanne mit dem dampfenden Tee und die Tasse, während ich versuchte, die Tür aufzuschließen. Ich habe das schon zweihundert Mal gemacht, aber diese Mal geriet etwas aus dem Gleichgewicht, und ein Schwall heißen Tees schwappte über meine Hand.
Ich lies Kanne und Tasse fallen, schleuderte sie beinahe von mir weg, ging eine Tür weiter, qualvolle Sekunden, während ich aufschloß und den Wasserhahn aufdrehte. Es war kein Schmerz, sondern eher ein Gefühl von gleißendweißer Intensität, ein Schock, ein Herauskatapultiertwerden aus der Alltäglichkeit mit einem völligen Verschieben von Prioritäten. Ich hatte große Sorge: werde ich Brandblasen bekommen? Werde ich die Hand die nächsten Tage benutzen können? Ich kühlte lange Zeit unter fließend Wasser, während meine Kollegen die Teeexplosion im Gang aufwischten. Dann kühlte ich mit einem Eisbeutel. Meine Hand pochte dumpf. Als ich am Abend eine kühlende Salbe aus der Apotheke holte, ging es mir schon fast wieder gut. Am nächsten Tag war ich zur großen Überraschung aller, besonders zu meiner, wieder gesund. Hin und wieder schaute ich auf meine Hand, verblüfft, daß nicht die kleinste Spur zu sehen war, als wäre das alles nie passiert. Die erste Hilfe - das Kühlen unter fließendem Wasser - war wirklich effektiv.
Auch in Herzensdingen scheine ich Mechanismus, ein erste-Hilfe-Konzept zu besitzen. All die Männer, die ich überwunden habe, ich weiß, wie es geht. Schadensbegrenzung.
Es ist gut und wichtig, daß ich das kann, sonst würde vielleicht nicht viel gehen, und weiter gehen muß es, muß ich. Trotzdem erschreckt es mich manchmal, daß ich dich vergesse, langsam, Stück für Stück, wissend, daß ich es irgendwann nicht mehr merken werde, wenn ich dich vergesse.
Ich wünsche dir, daß du ein Mädchen triffst. Sie wohnt nur ein paar Stationen von dir entfernt. Sie ist in deinem Alter, sie mag die gleiche Musik wie du, ihr geht zusammen auf Konzerte. Sie ist auf sympathische Weise naiv, nicht so ein Grübler wie ich, sie analysiert nichts. Irgendwann wirst du den Arm um sie legen und sie küssen, und es wird gut und richtig sein. Glaub mir, wenn ich dir sage: ich wünsch' dir alles Gute. Das ist kein Glückwunschkartenspruch.
Und ich? Mir kommt oft ein seltsames Bild in den Sinn: wie ich, auf dem Gang neben einer Lache aus Tee sitzend, den Rücken an der Wand, meine rechte Hand geschockt betrachte, die rot und schmerzend Blasen wirft. Was soll dieses Bild? So wars doch nicht, so ist es nicht. Natürlich könnte man sich super selbst bemitleiden, Queen of Pain, aber das ist mir zu pubertär. Ich kühle mich lieber runter, werde Tundra.
Nur manchmal bin ich traurig, weil ich noch nicht vergessen habe, daß alles irgendwie schöner war, die Farben kräftiger, als es noch die Möglichkeit gab von dir & mir.
Ich lies Kanne und Tasse fallen, schleuderte sie beinahe von mir weg, ging eine Tür weiter, qualvolle Sekunden, während ich aufschloß und den Wasserhahn aufdrehte. Es war kein Schmerz, sondern eher ein Gefühl von gleißendweißer Intensität, ein Schock, ein Herauskatapultiertwerden aus der Alltäglichkeit mit einem völligen Verschieben von Prioritäten. Ich hatte große Sorge: werde ich Brandblasen bekommen? Werde ich die Hand die nächsten Tage benutzen können? Ich kühlte lange Zeit unter fließend Wasser, während meine Kollegen die Teeexplosion im Gang aufwischten. Dann kühlte ich mit einem Eisbeutel. Meine Hand pochte dumpf. Als ich am Abend eine kühlende Salbe aus der Apotheke holte, ging es mir schon fast wieder gut. Am nächsten Tag war ich zur großen Überraschung aller, besonders zu meiner, wieder gesund. Hin und wieder schaute ich auf meine Hand, verblüfft, daß nicht die kleinste Spur zu sehen war, als wäre das alles nie passiert. Die erste Hilfe - das Kühlen unter fließendem Wasser - war wirklich effektiv.
Auch in Herzensdingen scheine ich Mechanismus, ein erste-Hilfe-Konzept zu besitzen. All die Männer, die ich überwunden habe, ich weiß, wie es geht. Schadensbegrenzung.
Es ist gut und wichtig, daß ich das kann, sonst würde vielleicht nicht viel gehen, und weiter gehen muß es, muß ich. Trotzdem erschreckt es mich manchmal, daß ich dich vergesse, langsam, Stück für Stück, wissend, daß ich es irgendwann nicht mehr merken werde, wenn ich dich vergesse.
Ich wünsche dir, daß du ein Mädchen triffst. Sie wohnt nur ein paar Stationen von dir entfernt. Sie ist in deinem Alter, sie mag die gleiche Musik wie du, ihr geht zusammen auf Konzerte. Sie ist auf sympathische Weise naiv, nicht so ein Grübler wie ich, sie analysiert nichts. Irgendwann wirst du den Arm um sie legen und sie küssen, und es wird gut und richtig sein. Glaub mir, wenn ich dir sage: ich wünsch' dir alles Gute. Das ist kein Glückwunschkartenspruch.
Und ich? Mir kommt oft ein seltsames Bild in den Sinn: wie ich, auf dem Gang neben einer Lache aus Tee sitzend, den Rücken an der Wand, meine rechte Hand geschockt betrachte, die rot und schmerzend Blasen wirft. Was soll dieses Bild? So wars doch nicht, so ist es nicht. Natürlich könnte man sich super selbst bemitleiden, Queen of Pain, aber das ist mir zu pubertär. Ich kühle mich lieber runter, werde Tundra.
Nur manchmal bin ich traurig, weil ich noch nicht vergessen habe, daß alles irgendwie schöner war, die Farben kräftiger, als es noch die Möglichkeit gab von dir & mir.
fragmente - am 2008-05-11 01:33
Jochen Hoff meinte am 11. Mai, 07:39:
„Wer Ohren hat zu hören, der höre und wer Augen hat zu sehen, der sehe“Ja das ist wieder ein schönes Stück aus meiner umfangreichen Platitüdensammlung. Natürlich haben alle Ohren und Augen und die meisten können damit hören und sehen. Warum also darauf herumreiten.
Weil es eben Anhörens- und Ansichtssache ist. Viele die schon mal richtig in Todesangst waren, berichten darüber, das sie plötzlich nur schwarzweiß sehen konnten, während bei übergroßer Wut häufig die Farben verstärkt sind.
Sehen ist eben nicht sehen und hören ist schon gar nicht hören. Gefühl ist nicht steuerbar und oft bestimmt oder beeinflusst zumindest das Gefühl das was wir hören und sehen.
Es sind nicht die Farben die sich verändert haben, es ist das Gefühl, welches das Sehen verändert. Natürlich kann man zu Permafrost, zu ewigem Eis erstarren und hoffen in der Unendlchkeit unbemerkt zu vergehen.
Das Herz aber will nicht vergehen, es will leben, kämpfen, lieben, toben. Es will sich befreien. Dazu muss es seine Wut, seinen Schmerz und seine Verletzungen hinausschreien. Leben heißt leiden, aber nicht zwangläufiges stummes verzweifeltes Leiden.
Es gibt auch ein Leiden das sich an sich selbst abkämpft, schreit, tobt und dann langsam verblasst. Es bleiben immer Narben. Sie sind wie Orden die einem das Leben verlieh, weil man tapfer und ehrlich kämpfte.
blogger.de:novemberregen meinte am 13. Mai, 20:38:
Kurze Blicke in eine Parallelwelt. Kurze Einblicke, wo wir Einfluss nehmen, wo wir uns für einen Handlungsstrang entscheiden, wo etwas anderes möglich gewesen wäre, wenn wir es so gewollt hätten.
ker0zene meinte am 19. Mai, 17:36:
Ich koche mir jeden Morgen eine Kanne Tee für die Arbeit. Mein Wasserkocher ist alt, verkalkt und hat wahrscheinlich schon vom ersten Tag an beim ausschenken geleckt. Deshalb fülle ich das siedende Wasser immer über der schmalen Spüle von aus dem Wasserkocher in den schmalen Hals der blanken Thermoskanne, in welchem drei Teebeutel hängen. Beinahe jede Woche gieße ich einmal etwas daneben und heißes Wasser fährt mir über die Finger der rechten Hand. Nicht einmal im Ansatz habe ich mich jemals verbrüht. Ein Umstand, der mich ständig aufs neue verwundert.In Herzensdingen verbrühe ich mich jedes Mal.
