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Warten ist das, was ich am allerwenigsten gut kann. Warten ist, was du von mir verlangst, worum du mich bittest.
So bleibt alles in der Schwebe, und nicht einmal das ist gewiß.

Und jetzt? Geht man jetzt einfach zum Tagesgeschäft über?
Jeder Buchstabe, den ich tippe, beeinflußt die Balance zwischen uns, weil du ihn liest. Dann wieder denke ich, daß ich mir etwas vormache, daß es dumm von mir ist, an die paar Prozent Restchance zu glauben. Alle Geschichten von Frauen, die auf Männer warten, gehen schlecht aus, das macht mir wenig Hoffnung.

Ich warte drauf, ob du in mir erlischt. Mein altes Leben paßt mir wie ein Handschuh, keine Lücke, wo du mir fehlen würdest. Nur morgens, zwischen Traum und Wachen, glaube ich oft, du würdest neben mir liegen. Ich denke, was ich immer denke, wenn ich dich sehe: was für ein schöner Mann du bist mit deinem sprödem Charme.

Warum dies hier aufschreiben? Du wirst es nicht gerne lesen, es wird dir zu viel distanzlose Nähe sein. Wir kennen uns kaum, du weißt so wenig über mich, ich kann dich so schwer einschätzen, und das Warten trägt nicht dazu bei, daß wir uns besser kennenlernen. Wahrscheinlich sinken unsere Restchancen mit jedem Buchstaben, den ich tippe und den du liest.

Warum also? Weil in mir Kräfte ziehen und zerren: all diese Schattierungen von Grau zwischen dich aufgeben und mich in dich hineinstürzen. Im Sublimieren war ich nie besonders gut. Wie schaffst du das eigentlich? Mir bleibt nur das Schreiben, um die Dinge ein wenig zu ordnen, um ein wenig Druck zu verlieren. Natürlich ist auch das eine dumme Idee: durch das Schreiben Emotionen rationalisieren und intellektualisieren zu wollen. Immerhin ist es etwas, das ich tun kann, denn warten ist schwer, aber still sitzen und warten, das ist mir unmöglich.
ker0zene meinte am 30. Apr, 16:27:
"The waiting is the hardest part
Every day you see one more card
You take it on faith, you take it to the heart
The waiting is the hardest part"


(Tom Petty - "The waiting")


Warten ist Hölle. Und noch schlimmer ist, nicht zu wissen, ob und wann man warten muß ... sollte ... ... wann es besser wäre, zu warten ...
... und insgeheim doch genau zu wissen, das man nicht warten kann, irgendwie. 
Frau Klugscheisser meinte am 30. Apr, 23:31:
Wie wunderschön Sie das formuliert haben (obwohl der formulierte Zustand sich weniger schön anfühlt). 
Schampar meinte am 1. Mai, 02:06:
warten ist verlorene Lebenszeit, warten lassen ist Arroganz, Respekt lässt niemals warten. Sie werden schon wissen, wo Sie stehen. Sonst warten Sie halt weiter... 
Modeste antwortete am 4. Mai, 20:44:
Nein, das glaube ich nicht. Ich habe schon (vergeblich) gewartet, und (vergeblich) warten lassen, und das Warten lassen, und zweiteres war weniger quälend nicht, weil man Entscheidungen treffen muss, die viel klarer sein müssen, als Empfindungen es manchmal sind. 
malles antwortete am 5. Mai, 20:48:
vielleicht liegt in der Vernunft der Entscheidung gerade die Arroganz der Gefühlslosigkeit. Nicht gegenüber der/dem Wartenden, sondern gegenüber sich selbst. 
WG121 meinte am 1. Mai, 18:37:
Nennen Sie mich sprachlos just in diesem Moment, Frau Fragmente.
Ich hätte nicht besser formulieren können, was ich ebenso durchlebe.
Man mag es nicht glauben, aber das Wissen um die Tatsache, dass man nicht die einzig Hoffnungslose(?) ist, macht alles ein klein wenig leichter... 
m a r t i n meinte am 1. Mai, 20:44:
vive la tristesse!
Liebe Frau Fragmente, ich weiss, Ratschläge helfen Ihnen nicht weiter, aber Musik vielleicht? Hörte gerade "sinister in the state of hope" von Loney, dear und fand, es passt exzellent zu Ihrem Text//Zustand... 
saoirse meinte am 1. Mai, 22:07:
Natürlich ist auch das eine dumme Idee: durch das Schreiben Emotionen rationalisieren und intellektualisieren zu wollen.
.

nein, es ist gar keine dumme idee. denn durch das aufschreiben nennen wir die dinge mit namen, konkretisieren sie, machen sie greifbar. es ist für die seele einfacher, namentlich benannte probleme zu bewältigen als abstrakte. daher ist schreiben immer gut. auch wenn es wehtut. 
schneck06 meinte am 2. Mai, 00:46:
ich habe nie erlebt, dass das warten für den wartenden glücklich endete. ich habe selbst einige male gewartet und kenne viele wartende. das allerschlimmste am warten ist, dass man ja schon weiss, während man da wartet, dass es wenig glücklich enden wird. und im übrigen mag ich menschen immer weniger, die anderen aufgrund eigener unfähigkeit zur klarheit das warten zumuten. es gibt keine gründe, niemals, jemanden anderen warten zu lassen in liebesdingen. man könnte auch typisieren: die einen lassen warten, die anderen warten. dazwischen gibt es nichts. 
rosmarin antwortete am 2. Mai, 01:03:
trefflich und perfekt auf den üblen punkt gebracht. 
kid37 antwortete am 2. Mai, 01:12:
Man könnte trotzdem nach dem Warum fragen. Die einen lassen vielleicht bösartig warten oder überdrüssig, andere achtlos, wiederum manche aber auch durch schiere Hilflosigkeit. Dann bleibt die Frage, ob der Wartende nicht einfach etwas tun kann, um diesen Zustand zu beenden. Ein Gespräch suchen, eine Auseinandersetzung. Wenn das nicht hilft, muß man wohl - gehen. 
Sun-ray antwortete am 2. Mai, 01:15:
in nächten wie dieser neige ich zu selber ansicht.
und doch oder gerade deshalb raunt ein teil von mir:
so genau wollte ich es nicht wirklich wissen ..... 
saoirse antwortete am 2. Mai, 01:30:
wie recht sie haben, herr schneck. und dennoch ist ja eine gewisse faszination im zustand des wartens. 
schneck06 antwortete am 2. Mai, 01:41:
lieber kid37, genau diese fragen des wartenden sind es ja, die jenen unendlich warten lassen. warten können bedeutet, über emphatie zu verfügen. liebe und emphatie, das ist eine sehr sehr schöne mischung, die königinnen-mischung. man sollte sie aber auch von denen erwünschen, die warten lassen, egal, welcher temporäre 'defekt' sich dahinter verbirgt. oder anders: einer liebt halt immer mehr als der andere, das war schon immer so. und wahrscheinlich muss es ja auch so sein, ansonsten passt das eine nicht in's andere. 
steppenhund antwortete am 2. Mai, 13:03:
Hammer oder Amboss sein, fiele mir ebenso dazu ein. Oder das Buch "Langsamer Abschied" von Juri Trifunov.
-
Aber es ist vielleicht auch eine Lebensdisziplin, warten zu lernen, ohne dabei zu leiden. 
kassandra73 meinte am 2. Mai, 09:30:
vielleicht ist ein probem am warten, dass es so schnell dazu gehört zum alltäglichen, dass es sich so gut integrieren läßt. ein teil des selbst wartet dann eben, der rest kann trotzdem anderes tun. wie hört es wieder auf? das warum des anderes nützt dabei wenig; selbst wenn es nur aus hilflosigkeit agiert. das schreiben dagegen taugt wenigstens gegen die eigenen sprachlosigkeiten. 
books and more meinte am 5. Mai, 13:31:
Depends ...
Warten ... hängt davon ab, wie lange. Und vor allem: worauf. Auf eine Entscheidung des anderen? Auf 'innere' Veränderungen sonstiger Art bei ihm? Auf klare Worte? Aufs Aussprechen von etwas, das schon da ist? Aufs Ansprechen von Ungeklärtem? Oder auf eine Änderung der äußeren Situation durch den anderen? Für die der andere vielleicht nicht die alleinige Verantwortung hat oder die er vielleicht nicht oder nicht so schnell ändern kann (ganz konkret und pragmatisch betrachtet)? Oder nicht will? (Und warum nicht?)

Es gibt ja Fälle von Warten, mit denen wir in der Regel kein Problem haben, z.B. darauf zu warten, das der andere von einer Geschäftsreise zurückkommt. Oder ganz einfach von der Arbeit. Oder vom Einkaufen.

Was ist es, das den Unterschied macht?

[...mal so rat(schlags)los ins Blaue gedacht] 
Lizzy_V4 meinte am 6. Mai, 20:54:
esperando = warten, hoffen
siempre que te pregunto que cuándo, cómo y dónde, tú siempre me respondes: quizás, quizás, quizás…

In Spanien ist hoffen und warten ein und das selbe Wort.
Vielleicht sollte man einfach aufhören zu hoffen/warten = esperar
und alles wird okay irgendwie.

Solange man die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat, kann man doch immer und immer wieder enttäuscht und verletzt werden.

viele Grüße 
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