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Es ist Samstagnacht, viertel nach eins. Ich mache kurz das Fenster auf, bevor ich ins Bett gehe. Mein Blick fällt auf den Hauseingang gegenüber: die 205. Auf der schmalen Stufe vor der Haustür steht ein junger Mann, sein Rücken in der breitgestreiften Kapuzenjacke mir zugewandt. Zwischen ihm und der Haustür mag allenfalls zwei Handbreit Platz sein, dennoch erkenne ich dort eine zweite Person, ihm zugewandt, in seinen Armen.
Die Ampel taucht sie in wechselndes Licht: rot, gelb, grün, rot, gelb, grün. Die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos berühren sie nicht.
Der junge Mann wippt langsam wie Schilfgras hin und her. Ich meine, eine Hand in seinem Nacken zu sehen. Die Streifen an seinen Ärmeln bewegen sich in jenem Takt, mit dem er sein Gegenüber streichelt. Sie haben alle Zeit der Welt für diesen, ihren Anfang. Ich kann nicht sehen, ob sie sich küssen, aber ich bin mir absolut sicher, daß sie es tun. Die Luft riecht nach Regen und Asphalt, und ich bin berauscht von ihrem Glück.
Als ich fertig bin mit Aufschreiben (eine Seite Din A4 mit schwarzem Stift), stehen sie immer noch da und küssen sich.
Jings meinte am 9. Apr, 18:33:
Zunächst fand ich nichts Besonderes an dieser nächtlichen Szene. Doch je mehr ich darüber nachdachte, und das Faszinierende an Ihren Texten ist ja, dass sie zum Nachdenken anregen, umso mehr beeindruckte mich das Geschilderte. Trotz Informationszeitalter mit Internet, Handy, Navigation etc. verhalten sich hier verliebte junge Leute, wie sie sich schon vor fünfhundert oder tausend Jahren verhalten haben. 
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