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Ich bin dann doch zu Dr. Zorn gegangen. Erstens habe ich selbst genügend Zorn, um jedem Doktor entgegentreten zu können, und zweitens machte mein Bein mit heftigen Schmerzen darauf aufmerksam, daß es gerne in ärztliche Behandlung möchte. In der Nacht von Samstag auf Sonntag schwoll es auf bislang nicht gekannte Größe an, wurde rot und pochte. Schlaf war nur in zwei-Stunden-Häppchen möglich. Okay, dachte ich, dann kriegt mein Bein eben seinen Willen. Ich laß' mir doch nicht die Nachtruhe versauen.
Nach zweieinhalb Stunden Warten (empfehlenswert: Nicolas Bouvier, "japanische Chronik") nahm sich Dr. Zorn vier Minuten Zeit für mich. In den ersten zehn Sekunden und beim ersten Blick aufs Bein diagnostizierte er eine Infektion des angeschwollenen Gewebes durch die offene Wunde. Dennoch hielt er es ungeachtet meiner Schmerzenslaute für nötig, am Bein rumzudrücken, wo die Frauen sanft gestreichelt haben. So ist das eben mit den Männern. Schmerz kann aber auch etwas katharsisches haben.
Als ich nach Hause ging, war mir etwas zum Heulen zumute. Eine Woche krankgeschrieben, das kann ich mir eigentlich gar nicht erlauben. In vielerlei Hinsicht.
Ist kein gutes Jahr bis jetzt.

zorn
ammedisli meinte am 17. Jan, 16:37:
ach was
nicht so pessimistisch. sieh deine pause doch als möglichkeit, gewisse dinge zu tun, für die du sonst keine zeit gehabt hättest. vielleicht überkommt dich ein kreativer anfall und daraus entstehen ganz tolle dinge. vielleicht wollte dein bein nicht heilen, weil deine seele eine auszeit braucht? kopf hoch, kommt schon wieder gut. 
fragmente antwortete am 17. Jan, 17:06:
bitte keine Ratschläge. 
Modeste meinte am 17. Jan, 16:47:
Mal wieder gute Besserung,
da sind sie ja, die Antibiotika. 
schnatterliese meinte am 17. Jan, 16:57:
von selbst versteht sich
gute besserung. nein, bessere besserung. oder doch, noch bessere besserung.

und ansonsten plädiere ich einstweilen für kitschoptimismus. 
jazz_und_mehr meinte am 17. Jan, 16:58:
Puh, das klingt aber bescheiden. Wünsche allerbeste Genesung. 
fragmente meinte am 17. Jan, 17:09:
Das wird ja noch ein richtiges über-Krankheiten-lamentier und gute-Besserung-wünsch-Blog. Es muß schön sein, alt zu sein. Vielleicht sollte ich schon mal anfangen, Bridge zu lernen. Oder Doppelkopf, je nach dem.
Jedenfalls: danke! 
miguel meinte am 17. Jan, 20:21:
Schicker Verband!
Wie nach einem Tour-de-France Massensturz. Bon rétablissement! 
fragmente antwortete am 18. Jan, 10:51:
Stellen Sie sich mal vor, wie ich in Netzstrümpfen aussehe! *hust* Bescheuert. 
neuro antwortete am 18. Jan, 10:54:
lol
in weissen netzstrumpfen sieht jeder bescheuert aus. wirklisch!
der arzt ist geizig, wegen ratiopharm. habe heute höfflich in der apotheke gefragt, ob wenn ich was zuzahle, ob ich dann statt ratiopharm, lieber original novalgin bekäme... gings doch.

gute besserung! 
phileas antwortete am 18. Jan, 15:41:
Muß das denn sein
selbst mit pochender Verletzung, Blutvergiftung gar, trotz Eiter immer noch gut, womöglich noch sexy auszusehen?
Ich finde, das Schöne an so einem Krankheizzustand ist doch, daß man auch mal so richtig schludrig und häßlich sein darf. Mit (nur beinahe) weißer Wäsche, weißen Netz- oder Stützstrümpfen und kalkweiß im Gesicht - vor Schreck und Schmerz und überhaupt.
Und dann können Sie sich so schön bedauern lassen.

btw: Ärzte, vor allem Chirurgen und Orthopäden sind grundsätzlich mit Schlachtern verwandt. Allzuviel Zartgefühl hat da keinen Platz. 
fragmente antwortete am 18. Jan, 18:02:
Frau Engel hatte soeben krankenbesuchend das Privileg, mich in Frischhaltefolie gewickelt zu sehen. Hat sie sehr amüsiert. Laut Dr. Zorn soll ich nämlich feuchte Umschläge mit Desinfektionslösung ("Rivanol") machen. Morgen muß ich wieder hin, und da er bei Verschlechterung angedroht hat, das Bein aufzuschneiden, therapiere ich mich mit höchster Motivation. Chirurgen sind Schlächter, da haben Sie recht. Ich über schon vor dem Spiegel mit größtmöglichem Enthusiasmus zu sagen: "es ist schon viiiieeel besser geworden!!!". Hoffe, daß Suggestion auch bei Chirurgen wirkt. Ansonsten studiere ich die folgende Sätze ein: "ich bin damit nicht einverstanden" und "ich möchte eine zweite Meinung einholen".
Wünschen Sie mir Glück. 
phileas antwortete am 19. Jan, 11:06:
Eine ganz große Portion davon! 
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