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Ich halte große Stücke auf das Wondergirl: eine sehr kluge Frau, die die Kraft hat, sich selbst gegenüber sehr ehrlich zu sein. Jetzt gibt es einen weiteren Grund, von ihr beeindruckt zu sein: ihr cooler und konsequenter Umgang mit Kommentatoren.

Bei Remington habe ich nur bis zur Mitte gelesen, dann wurde es mir zu explizit. Remington unterschätzt man ja gerne mal. Dieser Satz beweist, daß er einiges von Frauen versteht:
Dazu hätte die Liebe bleiben müssen, denn Frauen sind nicht wie Männer in der Lage, Sex zur Entspannung einzusetzen, sondern sie müssen entspannt sein, bevor sie Sex genießen können.
Remington meinte am 18. Feb, 22:42:
Immer diese Fremdwörter. Was ist denn ganz genau expliziert bei mir? 
DeDe meinte am 19. Feb, 03:21:
Ich schätze eher das erstere bei Wondergirl. Das letztere offenbart die menschliche Schwäche... Ich will meine Helden manchmal unberührt.

Remington verehre ich still und habe bei diesem Beitrag stumm ununterbrochen genickt, weil er so viel Wahrheit enthält. Ich hätte auch kommentiert, wenn es nur noch etwas hinzuzufügen gegeben hätte, was ich für notwendig gehalten hätte...

Aber bitte: Bis zum Ende lesen. Selbst, wenn es nur das Pflichtgefühl sein sollte... 
timanfaya meinte am 19. Feb, 10:19:
... zum glück kenne ich andere frauen.

p.s.: gewinnwarnung.
 
glamourdick meinte am 20. Feb, 16:43:
dicktatorship
ja, manchmal muss man den lieben lesern über den mund fahren. ist ja auch keine demokratie, son blog. ist ja ne diktatur. 
arboretum meinte am 20. Feb, 17:43:
Ich bin bei dem Text von Remington über einen Satz gestolpert, der mir wegen der zugrunde liegenden Haltung sehr unsympathisch war. Er fand das womöglich pädagogisch wertvoll, dabei ist es doch nur Herablassung: Das wird das Thema fürs Nachspiel werden, denke ich.

Lassen wir einmal beiseite, dass Remington einer ist, den die Mädchen früher zwar manchmal nach Hause, aber nie in ihr Bett genommen haben (wenn sie das wollen, signalisieren sie das auch). Wie hätte es wohl der junge Remington gefunden, wenn eine Frau nach einer unverbindlichen Nummer direkt danach seine Unerfahrenheit, seine körperlichen Unzulänglichkeiten oder gar die Maße seines Schwanzes angesprochen und indirekt kritisiert hätte?

Er jedoch spricht noch im Bett eine mollige, ungelenke junge Frau nach einem One-Night-Stand auf Ernährung und Abnehmen an - da fehlten ja nur noch die Diät-Tipps und der Hinweis auf eine Gymnastikübung gegen Cellulite. Dass er sie zuvor pseudo-fürsorglich in die Decke eingepackt hat, ändert daran auch nichts, es bleibt die falsche Situation. Dabei zeichnet sich bekanntlich ein guter Liebhaber auch durch ein Gespür für das richtige Timing aus.

Das Dirty Girl mag vorlaut und nicht sehr helle sein und ihr wabbeliger Körper nach Räucherspeck riechen, aber so viel hat sie hoffentlich kapiert: Nicht nur wer ficken will, muss freundlich sein, auch wer gefickt hat, sollte freundlich bleiben. Wer das nicht bringt, taugt nicht viel im Bett. Auch nicht für Entspannungssex. 
fragmente antwortete am 20. Feb, 22:20:
Im ersten Teil dieses Eintrages ging es um den Umgang mit unliebsamen Kommentatoren. Kommentare, die klug und durchdacht sind - so wie der ihre -, finde ich klasse. Ich danke Ihnen dafür.
Ich grüble schon ein paar Stunden über meiner Antwort. Sie haben nämlich Recht, zumindest auf einer Ebene, aber gleichzeitig hat Remingtons Eintrag - zumindest für mich - so viele andere Ebenen, daß ich mir gar nicht sicher bin, ob ich es aufgedröselt bekomme.
Ich habe nur die erste Hälfte seines Eintrages richtig gelesen, die zweite Hälfte quer, weil sie bei mir eine Art Fremdschämen hervorgerufen hat. Die Situation, wie er sie beschreibt, hat etwas unangenehmes, und auch die Art, wie er über die Dame schreibt, wirkt abwertend. Er läßt ziemlich stark durchblicken, wie überlegen er sich ihr gegenüber fühlt. Dann wieder denke ich, daß gerade darin viel Wahrheit liegt. Er beschreibt das Zusammentreffen zweier Menschen, die sich nicht lieben und die nicht planen, eine Beziehung einzugehen, die aber beide ein Bedürfnis nach Sex haben, das sie gemeinsam stillen wollen. Diese prickelnde, erotische Stimmung kenne ich auch, und vor dem Kippen dieser Stimmung in abwertenden, beliebigen, mechanischen Sex habe ich Angst. So viel Angst, daß ich lieber allein nach Hause gehe, wenn ich mir nicht sicher bin... und wann ist man sich schon sicher.

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, den Menschen hinter Remington kennenzulernen. Ich halte viel von ihm. Ich habe nicht erlebt, daß er abwertend über Frauen gesprochen hat; ich hatte eher den Eindruck, daß er selbst einiges hat einstecken müssen von uns Frauen. Wir können sehr böse sein.
Vor allem weiß ich dies: Remington schreibt sehr gut und er hat großes Talent. Ich beneide ihn um die Fähigkeit, solch lange Texte zu schreiben; Spannungsbögen zu kreieren. Viele seiner Texte sind tatsächlich Tagebuchaufzeichnungen, aber hin und wieder schreibt er auch einen, der ein Gedankenspiel ist. Ob er mit dieser Dame tatsächlich über die schmutzigen SMS hinausgekommen ist? Und ob er wirklich so über sie denkt, wie er schreibt?
Das Faszinierende am Bloggen ist, daß man Texte produziert, die sowohl wahr und fiktiv sein können. Durch das Nacherzählen eines Erlebnisses wird man immer zum allmächtigen Erzähler. Man braucht gar nichts hinzuzufügen - allein durch das, was man betont oder das, was man wegläßt, bringt man ein fiktionales Element in die Geschichte. Dieses Betonen und Weglassen ist wie eine Auswertung von Rohdaten, die plötzlich eine vage Wahrheit in klarem Licht erscheinen läßt. Was aber ist Wahrheit? Es gibt kein grünes Lämpchen, das leuchtet, aber irgendwie fühlt man es, findet sich selbst in der Geschichte.
Ich habe mich selbst in der Geschichte gesehen, und bin erschrocken. Vielleicht hat Remington sie nicht geschrieben, um die Welt wissen zu lassen, was er für ein toller Held ist. Vielleicht geht es ihm um was anderes. Einsamkeit, grüble ich, und wie man sich fern sein kann, selbst wenn man ineinander drinsteckt. Aber vielleicht ist das nur meine Wahrheit.

Sie haben Recht, denke ich. Seine Schilderung ist abwertend. Aber es ist Realität, daß die Menschen schlecht voneinander denken, und diese Realität hat er messerscharf eingefangen. Bemerkenswert, finde ich. 
arboretum antwortete am 22. Feb, 21:50:
Entschuldigen Sie bitte, ich habe es gestern nicht mehr geschafft, Ihnen zu antworten, und jetzt bin ich auch schon etwas zu müde. Morgen werde ich einen neuen Anlauf nehmen. 
fragmente antwortete am 23. Feb, 12:48:
Gerne auch per eMail: frau_fragmente ad yahoo.de. 
arboretum antwortete am 23. Feb, 20:26:
Ich glaube Ihnen, dass der Mensch hinter Remington nett ist. Vermutlich wird er aber wissen, dass jeder, der häufig autobiografische Texte bloggt, aber auch in seinen fiktiven Geschichten einen Ich-Erzähler auftreten lässt, damit rechnen muss, dass man die nicht eigens als solche gekennzeichneten fiktiven Geschichten ebenfalls ihm zurechnet.

Die Geschichte ist gewiss nicht schlecht geschrieben - sieht man einmal von dem öden Sex-and-the-city-Klischee mit den Manolos ab. In den Schuhschränken der vielen Frauen, die oft und gerne Schuhe kaufen, findet sich diese Marke doch vergleichsweise selten. Das Wort Schuhe hätte hier vollauf als Vergleich genügt.

Ich kann der Geschichte auch durchaus komische Seiten abgewinnen. Wie die sexuelle Phantasie erfahrener Mann zeigt Mädchen wie das wirklich geht mit dem Sex und „erweckt“ sie in der Realität kläglich scheitert. Denn statt des erwarteten Erdbebens erlebt sie gerade einmal einen verschämten kleinen Orgasmus. So war das aber nicht geplant.

Dass Frauen gemein sein können, steht außer Frage. Dass die frühere Grausamkeit anderer die eigene heute nicht rechtfertigt, aber auch. Und dass Männer Sex zur Entspannung einsetzen, davon lebt bekanntlich eine ganze Branche.

Wie gesagt, gegen einen One-Night-Stand ist gar nichts einzuwenden. Wahrscheinlich dürften die meisten von uns dabei auch schon einmal mit jemand Unpassendem im Bett gelandet sein. Doch selbst wenn es jemand war, den man für unter dem eigenen Niveau hält, hält man danach die Klappe und geht höflich seiner Wege. Was soll das, dem anderen noch eins mitzugeben? Selbst wenn es einen reut, dass man sich entschlossen hatte, das beiderseitige Bedürfnis nach Sex gemeinsam mit diesem Menschen zu stillen, braucht man das nicht an dem anderen abzulassen. Wenn sich mehr Leute daran halten würden, brauchten Sie vielleicht auch weniger Angst haben, dass die prickelnde, erotische Stimmung in abwertenden Sex umkippen könnte.

Remingtons Hauptfigur kann sich auch nicht damit herausreden, dass er zu jung und unerfahren ist, um zu wissen, dass das einzige, was man einer Frau im Bett über ihre Figur sagt, Komplimente sind. Alles andere gehört nicht dahin, egal ob sie klein, groß, dick oder dünn ist. Ja, Menschen denken hässlich voneinander. Trotzdem gibt es einfach Dinge, die sagt man im Bett nicht zu einem anderen. Dinge wie etwa sein Gesichtsausdruck sieht bescheuert aus, wenn er kommt oder sie winselt wie ein Welpe, dem man auf den Schwanz getreten hat, wie abtörnend oder sein Schwanz ist zu klein und ich habe gerade beim Sex mit Dir dauernd an jemand anderen gedacht. Man mag sie denken, aber man behält sie für sich - und das gilt für beide Geschlechter.

It takes guts to be gentle and kind, sangen The Smiths schon vor vielen Jahren. Bomec hat das in dieser Geschichte auf seine Weise gezeigt. Remingtons Hauptfigur hatte den Schneid leider nicht. 
arboretum antwortete am 1. Mrz, 20:22:
Ich korrigiere mich, es war tatsächlich von rohem Speck, nicht von Räucherspeck die Rede. Der obige Satz muss also lauten: Das Dirty Girl mag vorlaut und nicht sehr helle sein und ihr wabbeliger Körper nach rohem Speck riechen, aber so viel hat sie hoffentlich kapiert: Nicht nur wer ficken will, muss freundlich sein, auch wer gefickt hat, sollte freundlich bleiben.

Mit Ihrer eigenen Lesefähigkeit scheint es allerdings nicht sehr weit her zu sein, sonst müssten Sie sich nicht an dem einen, irrtümlich verwendeten Wort hochziehen, sondern wüssten, worum es ging. Die Frage, ob das Dirty Girl Ihr Blog kennt oder nicht, spielte jedenfalls überhaupt keine Rolle.

Nachtrag: Oh, Herr Remington hat seinen beleidigten Kommentar gelöscht. Nun ja. 
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