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Wo man sein wird im fünf Jahren oder zehn.
Wahrscheinlich werde ich die graue Businessuniform tragen, darunter Seide und Spitze. Die Haare sind hoffentlich noch rot, der Mund wird ganz sicher immer ein wenig röter sein, als es sich schickt. Werde ich immer noch diese Liebe für Flughäfen haben? Werde ich immer noch kindlich staunen, leise lächeln, wenn ich bei 120 auf der Autobahn die Wolkenformationen und den weiten Horizont bestaune? Überhaupt - werde ich mehr lächeln oder weniger als dieser Tage?
Vielleicht besitze ich Rabattkarten von Hotelketten und lade Bilder von Flugzeugmenüs hoch, kenne alle Tricks der Bahn und tausche in Foren Tipps zum platzsparenden Packen aus.
Wartet jemand zuhause auf mich? Telefoniere ich abends stundenlang mit dem Liebsten, oder reiße ich Geschäftsmänner an der Hotelbar auf?
Öffnet mir jemand die Tür oder habe ich eine dieser kleinen, gesichtslosen Wohnungen, die man gut alleine lassen kann? Kocht jemand für mich oder bin ich Stammkundin im Bahnhofssupermarkt?

Bin ich glücklicher oder unglücklicher als heute? Wahrscheinlich werde ich genauso glücklich oder unglücklich sein wie jetzt.
Neulich hat mich jemand gefragt, ob ich bereue, was ich heute tue. Nein, habe ich gesagt, es ist genauso, wie ich es mir gewünscht habe.
Es sieht nur von außen immer anders aus, als es innendrin wirklich ist.
Es ist genauso und gleichzeitig komplett anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Wie wird die Zukunft? Genauso, wie ich sie mir vorstelle, und gleichzeitig komplett anders.
kittykoma meinte am 27. Sep, 17:51:
hm, im allgemeinen gibt es einen schub von schaffe-schaffe in den 30ern. da hat man kraft ohne ende und gleichzeitig stehen einem türen offen, die man in den 20ern noch nicht einmal erahnt hat. - es wird allerdings wenig gelächelt in der zeit.
in den 40ern fragt man sich dann, ob das alles war. die maloche. die oberflächlichkeit menschlicher beziehungen. das geld. der erfolg. sucht nach alternativen, findet sie nicht oder hat nicht den mut dazu.
in den 50ern haut es einen entweder raus oder man bekommt die kurve.
ich hoffe auf weisheit und gelassenheit. demnächst. aber ich bin auch älter.
ich glaube, daß solche sachen wie: familie oder singleness, reisejob oder festgenietet am schreibtisch keine frage von entscheidung sind. sie sind vorprogrammiert. und der mensch sucht sich ameisenhaft den weg seiner vorbestimmung. es ist gut, mal zu schauen, wie die lebensmuster aussehen, dann weiß man so ungefähr, was einen erwartet. 
fragmente antwortete am 27. Sep, 18:14:
Ich habe kürzlich jemanden, der in meinen Augen große Urteilsfähigkeit und Erfahrung besitzt, nach meiner Zukunft gefragt. Menschlich gesehen, nicht fachlich.
Er antwortete, daß die Menschen durch ihre Persönlichkeitsstruktur gewissen Grenzen unterworfen sind, innerhalb derer sie sich entwickeln. Manchmal käme es aber auch zu einer Art Metamorphose: bei den Dschungelvölkern verbringen die Kinder eine Nacht allein im Regenwald, wenn sie zurückkommen, sind sie jemand anders und bekommen einen neuen Namen.
Er wolle daher keine Prognose bezüglich meiner Zukunft abgeben, sagte er. Nicht, daß das eine besser wäre als das andere (also innerhalb der eigenen Grenzen bleiben oder sie sprengen). Aber wie es bei mir kommt, sei eben nicht vorauszusehen.

Vielleicht wollte er sich nur elegant herauswinden... ich finde, es ist eine schöne Erklärung. Alles bleibt anders. 
Jings meinte am 29. Sep, 13:11:
Ich bin
ein Tagebuchschreiber schon seit meiner Jugendzeit. Aufgrund des Eintrags habe ich mal zehn Jahre zurück geblättert (was immer wieder interessant ist). Und ich stellte fest, es kam komplett anders, als ich mir damals die Zukunft ausgemalt hatte. In materieller Hinsicht kann man vielleicht recht vernünftig planen. Aber die gerade in jüngeren Jahren, wie bei Ihnen Frau Fragmente, dominierende emotionale Komponente ist nicht planbar und nicht selten wirft sie auch die materielle Planung über den Haufen.

Aber selbst wenn man soviel Scheiße gebaut hat, wie ich in meinem bisherigen Leben, war es immer interessant und im Ergebnis bin ich zufrieden und vor allem gespannt, wie es weiter geht.

Dragoslav Stepanovic, ein Fußball-Trainer, hat nach einer vergeigten Meisterschaft mal gesagt "Lebbe geht weiter." Manche sagen, ein dummer Satz. Mir gefällt er. 
beh meinte am 29. Sep, 22:42:
Wobei, Fr. kittykoma, manches auch etabliert, was man so Sachzwaenge nennt. Allein der Familienposten aendert ja ueblicherweise sofort die Affinitaet zu Reisejobs oder zu befristeten oder sonstig unsicheren Beschaeftigungen.

Der geschaetzten Autorin hingegen koennte sich ein unglaubliches grosses Spektrum an Wahl bieten, aus der dann tatsaechlich frei gewaehlt werden kann: frei etwa von Ortsbindung, frei von finanziellen Verpflichtungen, kann man sich fuer die lustigsten Sachen entscheiden. Spontan. Man muss sich nur trauen, einerseits das Spektrum zu erkennen abzustecken und andererseits gut zu waehlen.

Was die Wahl dann sein wird, ist in der Tat eine spannende Frage. Ob sich Kreise schliessen, die weit in die Vergangenheit reichen, ob Dinge "Sinn machen", ob man was ueber sich lernt... 
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