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Zur Zeit wird ja mal wieder eine Sau durchs Bloggerdorf getrieben. Normalerweise halte ich mich in solchen Situationen zurück, lege mir ein Kissen aufs Fensterbrett und genieße die Show.
Nun ist es allerdings so, daß ich am Wochenende Wir nennen es Arbeit gelesen habe. Das Buch, nicht die Website. Ich bin erst auf Seite 102, wollte mich dazu dennoch auf die mir ganz eigene, bauchnabelkreisende Art äußern, denn: dieses Buch hat in mir sofort den Wunsch geweckt, mich selbstständig zu machen. Und Pling! hatte ich ein Geschäftsmodell: ich mach `ne Website zu einem wissenschaftlichen Thema. Komplizierte Sachverhalte so zu erklären, daß sie auch der Laie versteht, ist nämlich meine Stärke. Und ich wußte sofort, auf welches Thema ich mich konzentrieren möchte: Krebs. Die Url mutterhatkrebs Punkt de wäre übrigens noch frei, aber meine Freundin Ruth fand das... nicht so geschmackvoll. Finanziert hätte ich die Seite gerne von Anzeigen großer Pharmafirmen. Dooce.com lebt schließlich auch von Anzeigen, und selbst ein Kochbuch kann für den Lebensunterhalt sorgen. Nach ein paar Jahren verkaufe ich die Website dann an irgendeinen Konzern für ca. 2 Mio Euro. Ich setzte mich zur Ruhe und kaufe mir eine Wohnung mit Blick auf den Treptower Park.
Soweit der Plan. (Sogar Glam wollte ich einstellen mit einer Kolumne über Schwule und Krebs.)
Dann fiel mir ein, daß Chemotherapeutika ja nicht frei verkäuflich sind und somit breite Anzeigenschaltung möglicherweise nicht im Interesse der Pharmafirmen sind. Und ein Journal für Ärzte zu schreiben, darauf hab ich keinen Bock.
Des weiteren erinnerte mich an eine (mittlerweile möglicherweise hinfällige) Äußerung von Ix, er verdiene mit GoogleAds ca. 100 Euro im Monat. Und Ix hat ordentlich Traffic, soweit ich weiß. Eine weitere kurze Suche im Internet ergab, daß Google seine Werbepartner angeblich auch gerne mal rausschmeißt, sobald diese kurz vor einer möglichen Auszahlung stehen. (Vielleicht sollte ich mal Minusvisionen lesen.)
Mein Enthusiasmus ist also schnell abgeflacht. Ruth sagte, ich solle doch den Leuten im Internet meine Welt erklären. Das wäre doch ein super Geschäftsmodell. Naja, eher nicht so, meinte ich. Ist noch nicht mal ein Mann dabei rumgekommen.
Übrigens, Mann. Hinter dem Wunsch nach Freiberuflertum steckt natürlich die mich zunehmend quälende Frage, wo ich in dieser menschenfressenden Berufswelt einen dauerhaften Platz finden könnte. Eine Möglichkeit wäre, reich zu heiraten. Oder zumindest einen Programmierer, der mir die Website macht. Im Gegenzug mache ich, was ich am besten kann: kochen, blasen, content. (Auch das nicht unbedingt ein vielvesprechendes Geschäftsmodell: es fehlen die Alleinstellungsmerkmale.)

Oh, das Buch. Meiner Meinung nach größter Kritikpunkt: es werden ein Haufen Beispiele angeführt, die teilweise als Argumente verkauft werden. Es gibt eine Menge Theorien, eine Menge Beispiele und eher weniger Argumente. Größter Pluspunkt: ab Seite 40 habe ich angefangen, mir Sätze zu unterstreichen, weil ich sie einfach klasse fand. Ich zitiere aus dem Kapitel "Dienstleistungswunder *cancelled*" (S. 50):

Das einzige Segment, in dem Dienstleistungsjobs im großen Stil entstehen, sind neben den Pflegeberufen die Call-Center. Und wir können von Glück sagen, daß Deutschland kaum über nennenswerte Kolonien verfügte, weshalb im Rest der Welt wenig Deutsch gesprochen wird - sonst würden auch diese Arbeitsplätze in den ehemaligen Kolonien und nicht in Ostdeutschland entstehen.

Und schließlich das Alleinstellungsmerkmal: meines Wissens wurde dieses Thema, daß schon seit längerer Zeit durch die Informationskanäle schwebt, noch nie so kristallisiert und komprimiert dargestellt.
Zum Schluß: Don Alphonso hat auch ein Buch geschrieben: Liquide. Ich habs gelesen (es hat mir übrigens gefallen). Vor diesem Hintergrund wage ich eine Hypothese: Don Alphonso haßt die Idee, (Blog)Content zu monetarisieren, weil genau das der Kerngedanke der New Economy war. Und er haßt die New Economy, weil sie Leben zerstört und Menschen gefressen hat.

Ob es also einen Platz gibt, irgendwo, innerhalb oder außerhalb der menschenfressenden Berufswelt? Ich weiß es nicht. Aber mir gefällt der Gedanke.
JollyOrc meinte am 6. Mrz, 12:01:
Geschäftsmodell
> Im Gegenzug mache ich, was ich am besten kann: kochen, blasen,
> content. (Auch das nicht unbedingt ein vielvesprechendes
> Geschäftsmodell: es fehlen die Alleinstellungsmerkmale.)

ist zwar kein großartiges Alleinstellungsmerkmal, gekonnt ausgeführt lässt sich diese Kombination an Fertigkeiten aber im Allgemeinen recht erfolgreich vermarkten :) 
fragmente antwortete am 6. Mrz, 12:11:
Blogs lassen sich ja nicht zu Geld machen, aber wie ich höre, kann einem ein gutes Weblog durchaus Sex bringen. Hat bei mir leider nicht so gut geklappt, wahrscheinlich, weil man sich dafür im RL treffen muß. Und da überwiegen meine Merkwürdigkeiten. 
S1ic3r antwortete am 7. Mrz, 12:45:
Und irgendwo müsste wohl ein Foto zu erkennen sein, wie?
Ich fand den Artikel perfekt und verleitet mich dazu diesen Blog in meinem Reader aufzunehmen. Ist schon erstaunlich wie viele gute Blogerinnen sich auf twoday tummeln :). 
sammelmappe meinte am 6. Mrz, 18:53:
Blogs können tatsächlich so viel. Das ist irre. Sie sorgen für Mißverständnisse und Klatsch und Tratsch. Sie bringen im bescheidensten Menschen die Eitelkeit und den Ehrgeiz zu Tage.

Reich heiraten ist übrigens ein guter Plan.
Nur Frösche darf man auf keinen Fall küssen. Das ist ein alter Irrglaube, die verwandeln sich erst in den Prinzen, wenn sie an die Wand geworfen werden. 
referral meinte am 7. Mrz, 01:09:
Hm, war der Link zum Kochbuch nun Zynismus? Falls nicht, schau Dir bitte mal bei Google die Links zu der Seite ab der dritten Position an:

http://www.google.de/search?hl=de&q=Marions+Kochbuch&btnG=Suche&meta=

und dann überleg Dir nochmal, ob Du den Link wirklich noch drauflassen willst.

(Das war aber jetzt nur partiellste Kritik an genau diesem Link. Ansonsten - wieder einmal und wie immer - wundervoll!) 
fragmente antwortete am 7. Mrz, 09:40:
Danke, aber ich weiß Bescheid und bin davon ausgegangen, daß die meisten Blogger ebenfalls Bescheid wissen. Hatte noch überlegt, ob ich das Wort "Abmahnung" einflechten will, hatte dann aber Angst vor einer Abmahnung. 
referral antwortete am 7. Mrz, 09:59:
Ok. Aber ich muss gestehen, dass ich erst googeln musste, um nachzuschauen, ob das auch wirklich jene Dame ist, die Brötchenfotografie zu neuen Weihen gebracht hat. 
fragmente antwortete am 7. Mrz, 11:56:
Es ging mir nur darum, mit dem Link zu belegen, daß sie tatsächlich Geld verdient. Die Brötchensache ist ein anderes Faß, das ich hier nicht aufmachen möchte. 
glamourdick meinte am 7. Mrz, 06:52:
gastkolumne
meine beiträge würde ich gerne uter der überschrift "glams spalte" verfassen. aber können wir den themenkreis auch auf schwule und skorpione erweitern? 
_ben_ meinte am 7. Mrz, 23:27:
die digitale boheme
wird allerdings nicht gefressen, sondern nur um den w-lan hotspots herum auf die straße gespuckt. immer "das nächste projekt wird der bringer!" und ganz große theorien... jede woche steht mindestens einer vor mir und lässt sich angebote schreiben... komissionsbasis+anzahlung ist schon ein zäher verhandlungskampf... "ich bezahl das, wenn ich alles verkauft habe, das geht garantiert weg wie warme semmeln!"
und mit ehrlicher arbeit hat das ganze noch weniger zu tun... man belügt sich selber und arbeitet auch nur für das neue auto eines anderen... 
bov meinte am 8. Mrz, 12:54:
Seien Sie mal besser froh, dass Ihre Geschäftsidee nicht hinhaut, denn wenn Sie eine Wohnung mit Blick auf den Treptower Park hätten, dann müssten Sie ja in Treptow wohnen. 
gnoerz meinte am 9. Mrz, 13:43:
wenn ich nun selbst oder auch ein angehöriger an krebs erkrankt wäre, würde ich vermutlich mutterhatkrebs.de nicht aufrufen. insgesamt erscheint mir die idee aber gar nicht so schlecht. eine kurzrecherche zeigt, dass viele domainnamen (krebsportal.de, krebsinfo.de, krebsmedizin.de, krebskrank.de usw usf) registriert sind. ein blick auf die inhalte überzeugt mich dann allerdings schon davon, dass hier ein bedarf an seriöser information besteht. dazu kommt, dass die meisten krebspatienten a) zeit und b) bedarf haben, sich über ihre krankheit auszutauschen. c) sind die auch noch ganz zentral in den onkologien dieser republik zu erreichen, wo sie in den wartebereichen die zeit haben, auch die abstrusesten flyer noch zu lesen. ein nachteil d) ist, dass ein krebsportal eine gewisse laufkundschaft bedingt: nach ein bis zwei jahren ist die krankheit meist auf die eine oder andere weise überwunden.
nichtsdestotrotz: ein bedarf an lebensnaher und doch seriöser fachinformation scheint mir hier auf patientenseite durchaus vorhanden zu sein. das sinnvollste, aber optisch wenig ansprechende deutschsprachige angebot scheint mir http://www.krebs-kompass.de/ zu sein.
da wäre schon noch platz, gebe ich zu bedenken. ich gehe davon aus, dass einschlägige google-adwords derzeit ähnlich teuer bezahlt werden wie versicherungsvergleiche, aber vielleicht kann dir da jemand mit einem aktiven adwords-konto mehr erzählen.

tom 
fragmente antwortete am 9. Mrz, 14:22:
Ich glaube, ich muß meinen Text mal vorlesen, damit der Hauch von Ironie, der über dem Kern von Wahrheit liegt, spürbarer wird. 
hmw antwortete am 9. Mrz, 18:30:
Hallo Frau Fragmente,

ich glaube auch, dass Sie Ihren Text einmal vorlesen muessen.

Meine Geschaeftsideen habe ich bisher leider immer bei der Suchmaschine des groessten Misstrauens wiedergefunden. Und nun sind es wieder ein paar mehr.

Gruesse
hmw 
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