Meine Schwester trägt einen Trenchcoat, ganz die Reporterin. Sie bindet sich den Gürtel enger um ihre Taille, die ich mit zwei Händen umfassen könnte. Ingrid Bergmann, Lauren Bacall. Das Land ist trist und flach. Die Braunkohle lohnt nicht mehr und hat die Arbeiter arbeitslos gemacht. Wir fahren lange durch die dunklen Dörfer auf der Suche nach einer Gaststätte und finden endlich eine Pizzeria.
Dann passieren seltsame Dinge. Ich erzähle, und meine Schwester hört mir zu. In meinem Gepäck der Satz bitte keine Ratschläge, aber es kommen gar keine. Nur Wärme, Verständnis, Unterstützung. Ich kotze mir das schwarze, klebrige Zeugs von der Seele; all meine beruflichen Sorgen, über die ich noch nichtmal hier schreiben kann.
Meine Schwester, müde, ausgebrannt, nickt wissend mit dem Kopf. She's been there, too. So unterschiedlich sind wir gar nicht. Was ich jedoch in ihren Nebensätzen spüre, in ihrem Blick auf die Welt, das ist ihr Temperament, weitaus lodernder als meines, das ihr manchmal, einem wilden Pferde gleich, durchgeht. (Ich bin eher ein Esel.)
Nach unserem Gespräch fühle ich mich erleichtert wie schon lange nicht mehr. In der Nacht zuvor hatte ich geträumt, mein Vater sei gestorben und sein Sarg sei hochkant ins Grab hinuntergelassen worden. Ich stand entsetzt & heulend davor und protestierte, daß das so nicht richtig sei.
Wenn wir uns bemühen, meine Schwester und ich, dann werden wir einander haben, auch wenn unsere Eltern nicht mehr da sind.
Dann passieren seltsame Dinge. Ich erzähle, und meine Schwester hört mir zu. In meinem Gepäck der Satz bitte keine Ratschläge, aber es kommen gar keine. Nur Wärme, Verständnis, Unterstützung. Ich kotze mir das schwarze, klebrige Zeugs von der Seele; all meine beruflichen Sorgen, über die ich noch nichtmal hier schreiben kann.
Meine Schwester, müde, ausgebrannt, nickt wissend mit dem Kopf. She's been there, too. So unterschiedlich sind wir gar nicht. Was ich jedoch in ihren Nebensätzen spüre, in ihrem Blick auf die Welt, das ist ihr Temperament, weitaus lodernder als meines, das ihr manchmal, einem wilden Pferde gleich, durchgeht. (Ich bin eher ein Esel.)
Nach unserem Gespräch fühle ich mich erleichtert wie schon lange nicht mehr. In der Nacht zuvor hatte ich geträumt, mein Vater sei gestorben und sein Sarg sei hochkant ins Grab hinuntergelassen worden. Ich stand entsetzt & heulend davor und protestierte, daß das so nicht richtig sei.
Wenn wir uns bemühen, meine Schwester und ich, dann werden wir einander haben, auch wenn unsere Eltern nicht mehr da sind.
lxuser meinte am 9. Nov, 13:34:
Warum können Sie über berufliche Sorgen hier nicht schreiben? Angst vor Verlust der Anonymität? Angst vor Ratschlägen?
fragmente antwortete am 9. Nov, 14:33:
Die Chance, daß mein Arbeitgeber auf mein Blog stößt, ist viel geringer als die, daß meine Schwester diese Seite findet. Meine Schwester wird mir die Dinge verzeihen, die ich über sie geschrieben habe. Mein Arbeitgeber würde mich feuern - mit sehr fatalen Konsequenzen für mich.Kennen Sie dooce? Website -> Job verloren.
lxuser antwortete am 9. Nov, 15:09:
Ich habe von solchen Geschichten schon gelesen, ja. Sehr schade, daß die Anonymität, in der Sie hier auftreten, in diesem Fall offenbar nicht ausreicht.
fragmente antwortete am 9. Nov, 15:20:
Die Anonymität von Weblogs ist nur eine scheinbare. In Wirklichkeit müßte nämlich vor allem das Publikum dem Weblogschreiber unbekannt sein. Je länger man schreibt, desto mehr Leser - in der Regel andere Blogger - lernt man nämlich kennen; außerdem erliegt man der Versuchung, einige Freunde einzuweihen. Selbst über die Kommentare kann ein gewisses "Kennenlernen" stattfinden. Und prompt kann man nicht mehr über die Dinge schreiben, die man mit Leuten, die mitlesen, erlebt hat oder was man über sie denkt. Oder man schreibt so, daß man dem Publikum (vermeintlich) gefällt... usw.Am besten sind Weblogs, die es erst zwei oder drei Monate gibt und in denen ganz naiv und unverdorben drauflosgeschrieben wird.
glamourdick antwortete am 9. Nov, 17:00:
exakt. ab monat drei muss man lavieren. und heut hab ich mal drauf verzichtet und was böses über jemand geschrieben, der sich vermutlich erkennen wird. und lass es einfach mal drauf ankommen.
fragmente antwortete am 9. Nov, 17:29:
Als ich noch jung & naiv war, hab' ich auch mal keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Leute genommen. Gab richtig Rock'n Roll.[Kate Bush: ein Meisterwerk. Meine Kritik folgt bald.]
kid37 antwortete am 9. Nov, 22:20:
Rock'n'Roll I gave you all the best years in my life... Der Link war aber gerade eine interessante Erinnerung. Heute haben sich ja alle immer gleich so lieb. Vielleicht rührt daher der Stillstand in den Blogs. Ich habe auch schon zu viele dieser Gesellen kennengelernt und hadere mit meiner Gefallsucht.
Schön, daß Sie so eine Schwester haben. Das ist wertvoll.
glamourdick antwortete am 10. Nov, 10:08:
hui, was für eine rock-debatte! bin gespannt auf die bush-trommeln.
Thot antwortete am 11. Nov, 02:13:
Ihre Einschätzung, Frau Fragmente, das Publikum müsste dem Weblogschreiber unbekannt sein kann ich nur bestätigen. Die wenigen, die mich evtl. kennen beflügeln mich eher, als dass sie mich bremsen. Ansonsten verzichte ich in meinem Blog auf Zähler, sehe keine Referrer, sehe nur diejenigen, die das Blog abonnierten und die bei mir kommentieren. Was soll ich sagen? Es erhält mir, der ich auch die andere Seite kenne - die volle Öffentlichkeit - meine Freiheit und meine Unabhängigkeit. Für den interessanten Rock'n Roll-Link vielen Dank. Ihnen so deutlich und direkt unter die Gürtellinie zu gehen, das ist schon sehr erstaunlich. Insgesamt illustriert die Diskussion jedoch sehr hübsch, warum sich viele Blogs nur noch im Kreis drehen.
AlanTuring meinte am 11. Nov, 17:47:
Na, davon kann ich ein lied singen...
Kann Ihren Wunsch, auf Ratschläge zu verzichten gut verstehen: Ratschläge sind halt auch Schläge!... von wegen mit vollem Namen bloggen. "Brockhaus sagt: Mut, die eigene Überzeugung ohne Rücksicht auf eigene Gefährdung oder mögliche Nachteile gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten oder in der Öffentlichkeit zu vertreten ."
http://www.literaturcafe.de/bf.htm?/neues.php?action=show&id=70
Mangelnde Konfliktfähigkeit auf der einen, fehlende Zivilcourage auf der anderen Seite.
Wir nehmen noch einen riesigen Haufen Eitelkeit -
und schon ist hier Schlachtfeld.
Wetten?
Ratschlag Bleiben Sie mal schön anonym -
ist zwar langweilig,
aber ungefährlich.
Thomas Fügner
Kann Ihren Wunsch, auf Ratschläge zu verzichten gut verstehen: Ratschläge sind halt auch Schläge!
Vor allem für die, die´s eh besser wissen.
